Die zu den so-h gehörenden Psychiatrischen Dienste Solothurn haben einen hohen Anspruch an ihre eigene Depressionsforschung. Seit April 2017 arbeiten sie mit dem Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie zusammen. Wir wollten mehr wissen und haben vom stellvertretenden Chefarzt, PD Dr. med. Thorsten Mikoteit, informative Antworten erhalten. Er ist seit über drei Jahren Gastwissenschaftler in München und nutzt diesen Umstand zugunsten der Entwicklung massgeschneiderter Therapien und somit einer besseren Patientenversorgung.

In München gehört er einer Forschungsgruppe an, welche Grundlagenforschung zur Gehirnaktivität im Schlaf betreibt. Dank der Kooperation können nun die hervorragenden Kapazitäten des Max-Planck-Institutes für Solothurner Pionierarbeit in Form einer konkreten Studie genutzt werden, um eine Antidepressiva-Behandlung von Personen mit Depressionen zu optimieren. Für die Studie wurde auf der Depressionsabteilung der Psychiatrischen Dienste eigens ein Schlaflabor mit umfangreicher Polysomnografie-Apparatur eingerichtet, um gesamthaft bis zu 85 Patienten für diese Studie zu untersuchen. Im Rahmen des aktuellen Projektes werden zusätzlich Blutproben entnommen, die dann in München und am Basler Universitätsspital analysiert werden.

Anhand einer polysomnografischen Untersuchung der Hirnaktivität während des REM-Schlafs lässt sich bereits nach einer Woche Behandlung vorhersagen, ob ein Patient vier Wochen später auf die Therapie ansprechen wird. In der Studie wird nun geprüft, ob diese Vorhersagbarkeit des Therapieansprechens in der Anwendung dazu nutzt, dass Patienten schneller genesen.  Eine weitere aufschlussreiche Messgrösse ist die Variabilität der Herzrate im Schlaf. Anhand dieser können ebenfalls Aussagen zum Krankheitsverlauf von Depressionen abgeleitet werden.  Erste Analysen der Polysomnografie-Daten wurden bereits an verschiedenen internationalen Kongressen vorgestellt: Bei Personen mit schwerer Depression resultierte vor der Behandlung mit Antidepressiva das gleiche Muster bezüglich der Herzraten-Variabilität wie bei Personen mit primärer Insomnie, was jeweils auf eine Fehlregulation des vegetativen Nervensystems hindeutet. Und: Die bereits in der ersten Woche erkennbaren, medikamentös bedingten Veränderungen der Herzratenvariabilität im Schlaf sagten bei Depressiven ebenfalls den Therapieerfolg nach 4 Wochen voraus.   Das klingt im ersten Moment beeindruckend – Herr PD Dr. Mikoteit weiss jedoch, dass es einer grossen Patientenzahl bedarf, um eine verlässliche Aussage treffen zu können.


Neben dem genannten Projekt startet im Februar eine vom Schweizerischen Nationalfonds geförderte Multicenter-Studie, an der drei weitere Kliniken teilnehmen werden. Hier geht es um mangelhafte körperliche Bewegung bei Depressiven – und die Auswirkungen einer entsprechenden Lebensstilveränderung auf den Schlaf und andere Merkmale körperlicher und psychischer Gesundheit.  Alle Teilnehmenden erhalten eine sportwissenschaftliche Beratung und ein Teil davon zusätzlich ein Langzeit-Coaching. Die interkantonale und -nationale Vernetzung der Solothurner Psychiatrie und ihr proaktives Vorantreiben der Schlaf- und Depressionsforschung resultiert auf diesem Weg nicht nur in einer höheren Strahlkraft als Arbeitgeber und universitäre Weiterbildungsstätte, sondern schon bald auch in einem konkreten Nutzen für Patientinnen und Patienten über die Klinik- und Landesgrenzen hinaus.